Das Meer, Essen und ein bisschen Chaos

Erfahrungsbericht von Julia, Austauschjahr in Italien

Ciao, ich bin Julia aus Salzgitter in Niedersachsen und mache ein Austauschjahr in Italien. Ich lebe in Palermo auf der Insel Sizilien und möchte heute gerne mehr von dem Leben hier erzählen.

 

Alltag

Erstmal fängt es ja mit dem Kennenlernen der Gastfamilie an. Zusammen mit meiner Gastfamilie lebe ich die meiste Zeit im Zentrum von Palermo. Die ersten Monate habe ich in Mondello, dem Strandort von Palermo, verbracht, wo ich auch den letzten Monat meines Austauschjahres verbringen werde. Meine Gastfamilie besteht aus meiner Gastmutter und meinem Gastbruder. Ich lebe aber nur mit meiner Gastmutter zusammen, weil mein Gastbruder schon alleine wohnt.  Ich war echt super aufgeregt, als ich ankam, wir aus dem Sicherheitsbereich des Flughafens traten und alle Gastfamilien vor uns standen. Meine Gastmutter kam direkt super lieb und aufgeschlossen auf mich zu. Die Verständigung war am Anfang immer bisschen lustig, weil sie nicht wirklich Englisch kann und ich noch kein Italienisch konnte, aber mit viel Körperspracheneinsatz und einem Google-Übersetzter war das am Ende auch kein Problem mehr. Bis heute habe ich mit meiner Gastfamilie ein super Verhältnis. Ihre italienische Herzlichkeit hat mir am Anfang auch sehr geholfen, anzukommen.

Der zweite Teil, der dann schnell dazu kam, war die Schule.  Ich gehe auf ein Liceo Classico, welches man mit einem deutschen Gymnasium vergleichen kann, und bin hier in der Deutsch-Sektion. Ich muss sagen, dass die Schulform in Italien schon anders ist. Es gibt viel Frontalunterricht und Schüler müssen viel zu Hause lernen, aber es ist auch interessant eine andere Schulform kennenzulernen. Ich hatte am Anfang schon Respekt, weil ich gehört hatte, dass italienische Schulen ziemlich streng seien, aber schon nach dem ersten Tag habe ich gemerkt, dass es viel entspannter ist, als ich dachte. Mit den Lehrern ist es oft ziemlich lustig und normalerweise herrscht auch immer eine gute Stimmung in der Klasse.

Sonst besteht mein Alltag aus dem Italienischkurs, meinen Hobbys wie Klavierspielen und Sportmachen und Treffen mit Freunden.  Mit meinen Freunden gehe ich immer gerne ins Café, einfach in die Stadt, in den Park oder wir chillen am Meer. Ich muss sagen, ich werde es vermissen einfach so ans Meer oder in mein Lieblingscafé  gehen zu können.

 

Freunde

Das war länger eher ein Problemthema für mich. Es ist dann doch nicht so leicht Anschluss in der Schule zu finden, der wirklich zu richtigen Freundschaften führt. Diese Erwartung darf man am Anfang auch eigentlich nicht wirklich haben. Man muss einfach seine Komfortzone verlassen und wenn man das macht, merkt man, wie sehr sich das am Ende lohnt. Wenn man auf Leute zugeht, sieht man auch, wie viel man selbst ändern kann. Mittlerweile habe ich auch Freunde in meiner Schule gefunden und fühle mich wirklich wohl in meiner Klasse. Alle sind echt nett und offen und ich denke, dass vor allem bei Italienern der erste Kontakt keine große Schwierigkeit ist. Am Anfang (wie ich mittlerweile weiß) waren viele einfach selbst ein bisschen schüchtern und wussten nicht wie sie mit mir Kontakt aufbauen sollten.

Einen großen Teil meiner Freunde machen auch die anderen Austauschschüler aus. Alle, die ich kennengelernt habe, sind super nett, lustig und offen. Ich bin einfach super dankbar, diese Menschen kennengelernt zu haben. Auch auf den Ausflügen von YFU habe ich viele andere Austauschschüler kennengelernt. Wir haben zusammen Mailand, Turin, Florenz und Pisa besucht und fahren noch nach Venedig. Diese Ausflüge waren wirklich immer eine meiner besten Zeiten hier. Es ist einfach super cool so unterschiedliche Menschen kennenzulernen und trotzdem versteht man sich mit allen, weil alle einfach eine schöne Zeit haben wollen. Das Problem ist auch, dass recht viele Italiener viel lernen müssen und deshalb ist es gerade am Anfang schön, auch andere Austauschschüler in seiner Nähe zu haben. Aber man muss keine Angst haben, wenn man in einen Ort mit keinen anderen Austauschschülern kommt. Ich habe auch Freunde, die eher in einen kleinen Ort gekommen sind, die aber  ein genauso schönes Austauschjahr haben. Jedes Austauschjahr ist einfach super individuell.

 

Italien

Ich denke das Erste, woran man bei Italien denkt, ist das Meer, Essen und ein bisschen Chaos. Ich muss sagen: Das Meiste stimmt auch. Ich bin verliebt in das Meer hier und es gibt so viele schöne Orte mit wunderschönen Stränden. Das Essen ist super lecker. Italiener essen wirklich gut - das kann man gar nicht anders sagen. Ich habe wirklich viel Leckeres und auch eine ganze andere Mentalität in Bezug auf Essen kennengelernt. In jedem Teil Italiens und für jede Zeit im Jahr gibt es andere Traditionen und Spezialitäten. Auch stimmt, dass Italiener manchmal ein bisschen chaotisch sind, aber dafür nehmen sie auch alles ziemlich locker und entspannt. Generell ist die Mentalität der Italiener halt ein bisschen anders, aber mir gefällt sie sehr. Die meisten sind nett, entspannt, herzlich und offen. Auch ihr Verständnis vom Genießen des Lebens kann man sich abgucken. Die Kultur des Ausgehens, der Geburtstagsfeiern und des Essengehens ist auch einfach toll.

 

Ich muss sagen, dass ich mit meiner Entscheidung  nach Italien gegangen zu sein sehr glücklich bin. Ich habe eine wundervolle Zeit, die ich nie vergessen werde und für die ich unendlich dankbar bin. Ich habe viel über mich und auch das Leben gelernt. Es ist nicht immer einfach, aber wenn man es will und offen ist, wird es ein super Jahr. Jedes Überwinden seiner selbst lohnt sich so sehr!

 

Am Ende möchte ich noch kurz anmerken, dass dieser Bericht nur auf meiner eigenen Erfahrung beruht und dass jedes Austauschjahr absolut individuell ist. Ich hoffe aber, dass ich ein wenig dazu anregen konnte, über ein Austauschjahr in Italien oder generell ein Austauschjahr nachzudenken.

 

Ciao, Julia

Julia am Meer

Julia mit ihrem Gastbruder und ihrer Gastmutter

Mit anderen Austauschschülerinnen und Austauschschülern in Pisa

Mit Freunden die tolle Aussicht genießen

Julia mit ihrer Gastmutter am Strand

Julia mit Freundinnen