Die Offenheit der Menschen

Erfahrungsbericht von Megan, Austauschjahr in Moldawien

Nach bereits fast vier Monaten in meinem Gastland Moldawien habe ich mich schon richtig gut eingelebt. Was mir allerdings auch durch die Offenherzigkeit und Aufnahmebereitschaft der Menschen, die ich hier kennen gelernt habe, sehr einfach gemacht wurde. Das einzige wirkliche Problem, was ich anfangs hatte, war, dass ich außer ein paar nützlichen Dingen wie zum Beispiel „Ti kak riba" („du bist wie ein Fisch") kein Russisch sprechen konnte. Somit war es wirklich schwierig, sich mit meinen Gasteltern zu verständigen.

 

Trotzdem haben mir die Treffen am Wochenende mit meinen neuen Verwandten – auch als ich noch überhaupt nichts verstanden habe – immer sehr gut gefallen, was aber bestimmt auch daran liegt, dass es immer sehr viel leckeres moldawisches Essen gibt, zu dem man gar nicht Nein sagen kann. Ganz nebenbei: Die Leute wollen auch gar kein „Nein" hören, da es Tradition ist, immer wenn Gäste kommen, viele Speisen aufzutischen. Meine Familie ist, auch wenn es mal nicht ums Essen geht, großartig und hilft mir sehr viel.

 

Die Lehrerin – die beste Freundin?

Nach einem Monat Ferien, die ich hier im Sommer in Moldawien hatte, war es dann auch langsam Zeit, in die Schule zu gehen und ich war wirklich sehr, sehr aufgeregt! Bestimmt noch viel aufgeregter als die kleinen Erstklässler, die gerade neu eingeschult wurden. Die Mädchen tragen hier zu ihrer Einschulung große weiße Zopfgummis in den Haaren und sind sehr schick angezogen, wie auch die Jungen, die alle in Anzügen erscheinen. Überhaupt zieht man sich hier zur Schule viel schicker an als in Deutschland und an meiner Schule herrscht sogar eine „schwarz-weiß Kleiderordnung".
Eigentlich ist so ziemlich alles in meiner neuen Schule ein bisschen formeller, und umso verwunderlicher ist es dann, wenn die Beziehung zu den Lehrern persönlicher ist, als ich es von meiner alten Schule in Deutschland gewöhnt bin. So fand ich es anfangs ein bisschen seltsam, aber auch total toll, als mich meine Englischlehrerin, eine ältere Dame, zusammen mit einigen Parallelklässlern in ein Cafe eingeladen hat und wir einfach dort gesessen und geredet haben, als wäre man nur mit seinen engsten Freundinnen unterwegs.
Auch von meiner Klasse wurde ich von Anfang an sehr herzlich aufgenommen und wirklich alle versuchen, mir so viel wie nur möglich zu helfen. Diese Hilfe war und ist auch immer noch sehr nötig für mich, denn wie gesagt habe ich am Anfang wirklich fast gar nichts verstanden und es war sehr hilfreich, wenn meine neuen Klassenkameraden mir versucht haben, alles entweder auf Englisch, oder einfach mit Händen und Füßen zu erklären.

 

Woher kommst du? – Ja!

Trotzdem war es anfangs schon sehr anstrengend und nervig, nichts zu verstehen und meine Zeit nur mit Lächeln und Kopfnicken zu verbringen. Deshalb bin ich auch wirklich froh, mittlerweile schon mehr zu verstehen und auch mitreden zu können. Nicht zuletzt, weil es ein bisschen komisch erscheint, auf die Frage „Woher kommst du?" nur mit einem Grinsen und Kopfnicken zu antworten, weil ich eigentlich keine Ahnung hatte, was ich von meinem Gegenüber gefragt wurde.
Trotz alledem (oder vielleicht auch deshalb!) habe ich bisher schon eine wundervolle Zeit mit meinen neuen Freunden verbracht, die mich überall hin mitnehmen und mir alles zeigen. Schließlich ist hier alles für sie so Gewohnte für mich super interessant, selbst wenn es nur die Märkte sind, von denen es hier so viele gibt und wo man wirklich alles kaufen kann.
Somit gilt es für sie viele Fragen zu beantworten und auch ich beantworte viele Fragen. Eine der Fragen, die ich gefragt wurde, war zum Beispiel, ob die Leute in Deutschland eigentlich Hitler mögen oder nicht, aber nachdem ich die Einstellung von mir und meinen Freunden erklärt habe, wurde nie viel darauf „herumgeritten" und Leute haben mich noch nie seltsam behandelt, weil ich „Deutsche" bin.

 

Außerdem ist es interessant zu sehen wie sehr die Moldawier in den meisten Fällen doch ihr Land lieben, und im Weiteren wird jedem, der nach Moldawien reist, auffallen, wie stolz die Einwohner auf ihren Weinanbau sind. Überall findet man Dekorierungen mit Weintrauben und Weinblättern und Moldawier bieten einem wirklich sehr gerne den häufig noch hausgemachten Wein an, den man unbedingt probieren sollte.
Ich habe hier schon viele tolle, interessante und spannende Erfahrungen gesammelt und bin sehr gespannt, was mich in den kommenden Monaten bis zu meiner Abreise noch erwartet.

 

Im Austauschjahr lebenslange Freundschaften schließen

Auf Traditionen wird in Moldawien viel Wert gelegt

Ein besonderer Feiertag: der Tag des Weines

Megan bei einem Ausflug mit ihren Gasteltern

Der letzte Schultag wird ganz besonders gefeiert