„Fika“ – das Beste, was es gibt

Erfahrungsbericht von Samira, Austauschjahr in Schweden

Aus meinem Auslandsjahr bin ich schon seit einem Monat wieder da, doch die Erinnerungen an dieses Jahr, voller schöner und spannender Momente, werden für immer bleiben. Die aufregendste Zeit war vor dem Abflug vor fast einem Jahr. Ich verabschiedete mich von meinen Freunden hier in Deutschland, auch von meinen Großeltern und Verwandten nahm ich nach und nach Abschied. Als letztes dann von meinen Geschwistern und meinen Eltern. Die brachten mich zum Flughafen, von dort begann mein Abendteuer, mein Auslandsjahr.

 

Winter in Schweden: Schnee, Dunkelheit, und viel Gebäck

Die ersten Monate in meiner neuen Heimat in der Nähe von Stockholm vergingen wie im Flug. Ich ging zur Schule und lernte meine Gastfamilie immer besser kennen. Dann wurde es Winter, die Tage wurden kürzer und die Nächte länger und bald war es richtiger Winter mit Schnee und Eis und Weihnachtsstimmung. Aber in Schweden kommt vor Weihnachten zuerst noch Lucia, ein Fest bei dem viel gesungen wird und noch mehr schwedisches Gebäck und Süßigkeiten gefuttert werden, wie zum Beispiel Knäck. An Weihnachten kam die ganze schwedische Familie zu Besuch und es wurde ein richtig schönes und unvergessliches Weihnachtsfest.

 

Mit dem Schulbeginn nach den Ferien kehrte dann auch der Alltag zurück, mit Prüfungen in der Schule. Dort konnte ich mich immer mehr am Unterricht beteiligen, weil ich nicht nur verstehen konnte, was gesagt wurde, sondern langsam auch Antworten auf Fragen geben konnte. Einen Tag gab es das Angebot meiner Schule Ski fahren zu gehen und das nahm ich gerne an. Gegen fünf Uhr am Morgen trafen sich die Schüler und Lehrer, die mitkamen, an der Schule. Dort wurden wir von einem Reisebus abgeholt und als wir dann Richtung Skigebiet fuhren und es immer winterlicher auf den Straßen wurde, der Schnee sich seitlich der Straße meterweit aufstapelte und die Temperaturanzeige minus 13 Grad anzeigte, war alles perfekt, so hatte ich mir den schwedischen Winter vorgestellt. Es war ein traumhafter Tag.

 

Der Winter dauerte in Schweden viel länger an als in Deutschland. So gab es sogar nach Ostern noch Schnee. In den Osterferien feierte meine Gastfamilie das Osterfest. Mit Schokoei-Suche und Tonnen an Essen. Nach Ostern dauerte es nicht mehr lange, dann kam auch schon mein achtzehnter Geburtstag. Meine Gastmutter und meine Gastschwester weckten mich mit einem Geburtstagslied und einem Geschenk für mich. Nach der Schule kochte meine Gastmutter extra leckeres Essen zum Abendessen für mich und zur Feier des Tages bekam ich auch noch eine Torte. Wenige Tage später lud ich ein paar Freunde ein und wir gingen zusammen essen. Nachdem wir vollgegessen hatten gingen wir noch in ein Café und machten Fika und unterhielten uns ganz lange, sodass meine Freunde ihren Zug nach Hause fast verpassten. Wer sich nun fragt, was soll Fika sein?, dem kann ich nur antworten: „Das Beste, was es gibt.“ Es ist eine Art Kaffeetrinken mit Freunden oder Familie, bei dem man meistens auch eine Kleinigkeit isst. Dafür sind die vielen Cafés, die es in Schweden gibt, perfekt geeignet.

 

Polarsommer in Lappland

Anfang Mai war das Re-Entry Camp für die YFU-Austauschüler in Schweden. Ein Wochenende trafen sich alle Austauschüler und verbrachten eine wundervolle Zeit. Es wurde über das Auslandsjahr diskutiert und reflektiert. Es wurde viel gelacht und zum Abschied auch so manche Träne verdrückt. Denn für manche war es das letzte Mal, dass sie sich in Schweden wieder sahen. Die Zeit vom Camp bis zum Beginn der Sommerferien verging wie im Flug und ich gab meinen Lehrerinnen Abschiedsgeschenke und ließ meine Klassenkameraden auf eine Schweden-Flagge schreiben. Am letzten Tag hielt meine Schulleiterin eine Rede und ich verabschiedete mich von den meisten meiner Klassenkameraden.

 

Nach dem letzten Schultag musste ich schon packen, nein, nicht etwa um nach Hause zu reisen. Denn nun konnte ich mit einer Reise, die von YFU Schweden organisiert war, nach Lappland fahren. Mit dem Zug neunzehn Stunden in den Norden von Schweden. Die Zeit dort verbrachten wir mit Wandern und Sightseeing. Da oben, nördlich des Polarzirkels, war es auch noch im Juni sehr kalt. Bei fünf Grad und Schnee auf den Bergen war es nicht wirklich sommerlich. Was jedoch sommerlich war, war die Sonne, die schien 24 Stunden täglich. Es wurde NIE dunkel. Auf dem Rückweg im Zug wurde jede Minute mit den anderen Austauschülern ausgenutzt. Eine unvergessliche Reise, mit unvergesslichen Erlebnissen und unvergesslich tollen Leuten.

 

Am 29. Juni verabschiedete ich mich von meinem Gastvater und meinem Gastbruder und meiner Gastschwester und fuhr mit meiner Gastmutter zum Flughafen. Dann musste ich mich von meiner Gastmutter verabschieden, ich konnte gar nicht weinen. Alles ging so schnell… Nun ist mein Auslandsjahr endgültig vorbei. Bald gehe ich in Deutschland wieder in die Schule und dann wird mein Alltag hier vollständig beginnen, aber ich werde immer an meine Zeit in Schweden zurückdenken.