Hej då, och välkommen åter! – Schweden, mein zweites Zuhause

Erfahrungsbericht von Ulrike, Austauschjahr in Schweden

Ich könnte Seiten darüber schreiben, dass Schweden ein Land ist, in dem die Sonne am schönsten scheint, in dem die Farben so viel kräftiger wirken, in dem die Menschen so viel einzigartiger sind, und doch würdest du nichts über Schweden wissen…

 

Die Ankunft

Es waren 2 1/2 Stunden mit dem Zug von Stockholm nach Karlstad, einer kleinen Stadt an der Spitze des Vänern in dem wunderschönen Landesteil Värmland. Es waren 2 1/2 Stunden voller Ungewissheit und endloser Gedanken. Schnell noch einmal in sein Wörterbuch schauen, sich ein paar Begrüßungsfloskeln auf Schwedisch einprägen und hoffen, dass alles gut geht. Und dann hielt der Zug. Mit einem flauen Gefühl im Bauch stieg ich aus dem Zug auf einen kleinen Bahnhof an einem wunderschön sonnigen Tag. Und schon sah ich sie! Meine Gastfamilie. Zwei ältere Gastschwestern, einen Hund und natürlich meine Gasteltern.

 

Die Begrüßung war so herzlich wie sie nur sein konnte und ich wusste sofort: Hier war ich willkommen.

 

Die Sprache

Meine Gastfamilie war sehr engagiert, mir die schwedische Sprache möglichst schnell beizubringen. Schon am ersten Abend halfen meine Gastschwestern mir dabei, Klebezettel an alles zu kleben, was wichtig war im Haus. Darauf schrieben sie mir dann die schwedischen Wörter für die entsprechenden Gegenstände und nach der ersten Woche konnte die Hälfte davon schon wieder abgenommen werden, da ich sie dann schon gelernt hatte. Zudem fing meine Familie schon nach einer Woche vermehrt an, mit mir Schwedisch zu sprechen und trotz Aussprachefehlern und ständigen Missverständnissen versuchte ich nach kurzer Zeit auch mich so gut wie möglich nur noch auf Schwedisch zu verständigen. Mit Erfolg – nach kaum mehr als einem Monat sprachen wir kaum noch ein Wort Englisch zu Hause und nach zwei Monaten war es dann an meiner Schule auch so, was das Kontakte knüpfen erleichterte. Die wohl typischsten Wörter, die man aber auf jeden Fall können sollte, wären: lagom (gerade recht) und fika (Kaffee trinken/Kuchen essen etc.).

 

Schul- und Freizeit in Schweden

In Schweden gibt es unterschiedliche Schulprogramme. Von den Naturprogrammen bis hin zu Fotografie- und Reitklassen ist alles zu finden. Und da ich schon in meinem Gastfamilienbrief geschrieben hatte, ich würde das Theaterspielen mögen, richtete meine Gastfamilie für mich ein, dass ich in ein entsprechendes Programm gehen konnte. Neben den Theater-Schülern (zu denen ich gehörte) gab es auch die Tanz-Schüler in meiner Klasse. Und zusammen arbeiteten wir auf unser großes Projekt – ein Musical aufzuführen – hin. Dieses wird mir wohl immer in Erinnerung bleiben, da es ein einmaliges Erlebnis war, so etwas von Anfang bis Ende zu erarbeiten, einzuüben und aufzuführen. In meiner Freizeit machte ich Sport in einem ortsansässigen Leichtathletikverein. Zuerst war meine Trainingsgruppe etwas zurückhaltend, aber nach einer kurzen Zeit haben sie mich super aufgenommen, sodass ich mich schon bald als ein Teil von ihnen fühlte. Zudem traf ich mich in meiner Freizeit oft mit Austauschschülern, die auch in Karlstad wohnten, und sprach mit ihnen über das Auslandsjahr, über Schweden und entdeckte mit ihnen gemeinsam die Stadt.

 

Auch gemeinsam mit meiner Gastfamilie unternahm ich viel. Wir fuhren in ihre kleine Sommerhütte und sammelten dort Pilze. Ich lernte bei meiner Gastfamilie Skilanglauf und Slalom fahren und mit meiner Gastmutter backte ich viel. Im Sommer waren wir dann segeln und haben zusammen Mittsommer gefeiert.

 

Typisch schwedisch

Schon vor meinem Auslandsjahr wurde mir gesagt, dass die Schweden am Anfang etwas verschlossen sein könnten. Und so war es dann auch teilweise, aber wenn man sich dann erst einmal traut, von sich aus auf sie zuzugehen, können sie auch sehr offen sein. Zudem duzen sich alle, sogar Lehrer und Schüler und man spricht sich mit dem Vornamen an. Das war für mich am Anfang sehr ungewohnt und ich wechselte anfangs des Öfteren in die Sie-Form. Die wohl wichtigste „Mahlzeit“ in Schweden ist das Fika, die man mit dem Kaffee trinken in Deutschland vergleichen kann. Jedoch ist es in Schweden etwas anders: Man nutzt die Möglichkeit, um sich mit Freunden und Familie auszutauschen und auch in den langen Wintern etwas Wärme ins Haus zu holen und dass nicht nur am Nachmittag, sondern zu jeder Tageszeit, sogar noch nach dem Abendessen.

 

Hej då!

Lebewohl zu sagen ist immer schwer. Es war schon schwer von meinem gewohnten Leben in Deutschland Abschied zu nehmen, doch es war nichts im Vergleich zu dem „Auf Wiedersehen“ sagen von Schweden. Ja, es war ein „Auf Wiedersehen“ und doch irgendwie nicht, denn das was ich in meinem Auslandsjahr erlebt habe, mein Leben was ich dort hatte, wird nie wieder kommen. Der letzte Monat war die schwerste Zeit für mich in Schweden, und doch auch die schönste, da man noch einmal alles doppelt so viel wertgeschätzt hat. Und hätte ich die Möglichkeit, mein Auslandjahr mit YFU noch einmal zu machen, ich würde nicht zögern!

Ulrike mit einer Freundin

Ulrike mit dem Hund ihrer Gastfamilie

Ulrike und ihre Gastfamilie an Weihnachten

In manchen Regionen Schwedens liegt fast das ganze Jahr Schnee...

...kein Wunder, dass Wintersport so beliebt ist!