Im Land der Elche, Zimtschnecken und Mitternachtssonne

Erfahrungsbericht von Lena, Austauschjahr in Schweden

Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich mich vor neun Monaten fühlte. Wie aufgeregt ich in den letzten Wochen vor meiner Abreise nach Schweden war. Ein Auslandsjahr im Land der Elche, Zimtschnecken und Mitternachtssonne war schon lange mein Traum gewesen, und nun sollte er endlich in Erfüllung gehen. Der Gedanke war bezaubernd und aufregend, unheimlich und unwirklich. Viel zu schnell galt es, die Koffer zu packen, eine Abschiedsparty zu Schmeißen und schließlich am Flughafen zu stehen und meiner Familie Lebewohl zu sagen. Auf ins Unbekannte, für zehneinhalb Monate – die wirklich die Zeit meines Lebens werden sollten. 

Nach drei Tagen YFU Arrival Camp in Stockholm wurden wir von unseren Gastfamilien abgeholt und ich fuhr mit meinem Gastvater und einer anderen Austauschschülerin nach Kristinehamn, einer kleinen Stadt in der Mitte Schwedens. Dort erwarteten mich meine Gastmutter und zwei kleine Schwestern in einem Haus direkt am Wald. Das würde mein Zuhause für das nächste Jahr sein – ich liebte es!

Einen Tag später begann auch schon die Schule, die hier ziemlich anders abläuft als in Deutschland. Man wählt zwischen verschiedenen Programmen, ich kam ins Gesellschaftswissenschaftsprogramm. Es gab allerdings alles von Wirtschaft über Handel bis hin zu Theater und Sport. Meine Klasse war fantastisch – vielleicht am Anfang etwas zurückhaltend (typisch schwedisch), aber sehr herzlich. Ich fühlte mich dort sofort wohl und habe einige gute Freunde gewonnen. Ehrlich gesagt (und ich weiß, das klingt komisch) kann ich mich kaum an einen Tag erinnern, an dem ich nicht gern zur Schule ging.

Wenn ich nicht gerade andere Austauschschüler oder Freunde traf, im Leichtathletikverein trainierte oder beim Orienteering mitmachte, verbrachte ich Zeit mit meiner Familie. Wir spielten oft Karten, kochten zusammen, saßen abends auf dem Sofa und redeten, lasen einander vor oder fuhren übers Wochenende in unsere ”stuga” – ein Ferienhaus in einem Skigebiet. Mit dem Schwedisch klappte es vor allem dank der Schule ziemlich gut. Nach ungefähr drei Monaten konnte ich ganz auf Englisch verzichten, was ich allerdings eine lange Zeit nicht tat, weil meine Gastfamilie zweisprachig ist und deshalb alle anderen von alleine viel Englisch redeten. Dadurch konnte ich meine Kenntnisse in beiden Sprachen verbessern, was wirklich ein großer Vorteil ist.

Während dieses Jahres habe ich unglaublich viel erlebt und gelernt – und an viele meiner Erlebnisse und Erkenntnisse hätte ich vorher noch nicht mal im Traum gedacht. Ich kann mir kaum vorstellen, in einem Monat wieder nach Deutschland zu fahren. Die Erfahrungen dieses Jahres würde ich gegen nichts in der Welt eintauschen. Und deshalb kann ich jedem von euch ein Austauschjahr nur empfehlen – egal, wohin.

Lena in Schweden

Ein typisch schwedisches Dalapferd

Die "Stuga" von Lenas Gastfamilie