Der Spanische Traum

Erfahrungsbericht von Maria-Zoe, Austauschjahr in Spanien

„Es ist vorbei!“ Diese Erkenntnis traf mich voller Wucht, als mich meine Eltern Ende Juni am Flughafen abholten. Ich konnte und wollte es in diesem Moment noch nicht wahrhaben und auch jetzt – einen Monat danach – fällt es mir noch immer schwer, dies zu realisieren. Vor fast 2 Jahren, einige Wochen nach dem Auswahlgespräch, bekam ich endlich den lang ersehnten Brief. Wochenlang hatte ich nur davon geredet, ob ich wohl ausgewählt werden würde oder nicht, doch auf einmal hatte ich Angst – Angst vor einer Absage. Schließlich siegte aber die Neugierde und ich öffnete den Brief. Als ich las, dass ich angenommen worden war, konnte ich mein Glück kaum fassen. Ich sprang im ganzen Haus herum und konnte es kaum erwarten, dass meine Eltern endlich von der Arbeit kamen.

Vor knapp einem Jahr war ein weiterer Moment dieser unbeschreiblichen Freude, als ich meine Ankunftsfamilie bekam. Es waren weniger als 4 Wochen bis zum Beginn meines ATJs Austauschjahres und endlich wusste ich, in welche Region ich kommen würde. Es sollte für mich nach Kantabrien im wunderschönen Norden Spaniens gehen. Noch am gleichen Tag schrieb ich meiner Gastfamilie und hielt regelmäßig Kontakt mit ihr bis zum 4. September 2017, als das Abenteuer endlich begann. Die ersten Tage verbrachte ich mit den anderen Austauschschülern in Madrid, wo ich meinen ersten und einzigen Kulturschock erlebte. Das lag daran, dass ich in die spanisch-sprechende Gruppe ging, obwohl ich kaum etwas verstand. Am 8. September ging es für uns zu unseren Gastfamilien – 2 andere Mädchen und ich hatten eine 5-Stunden Busfahrt bis wir endlich in Torrelavega ankamen, wo wir von unseren Gastfamilien abgeholt wurden. Als ich meine sah, war ich extrem glücklich und total aufgeregt, sie endlich kennenzulernen. Die nächsten Tage waren sehr anstrengend, aber auch interessant. Ich lernte meine beiden kleinen Gastgeschwister besser kennen, andere Familienmitglieder und viele Freunde. Kurz vor Schulbeginn lernte ich eine meiner neuen Mitschülerinnen kennen, mit der ich am folgenden Samstag Zeit verbrachte. Mein erster Schultag war sehr aufregend für mich, aber auch anstrengend, da ich mich schlecht auf Spanisch verständigen konnte. In den kommenden Wochen lernte ich sehr viel – nicht nur die Sprache, sondern auch Traditionen, Bräuche und die Kultur im  Allgemeinen besser kennen. Ich schloss neue Freundschaften, fügte mich in die Familie ein, lernte für die Schule, etc. - kurz gesagt, die Zeit verging wie im Flug.

Schnell waren die ersten 2 Monate vorbei und das Thema mit dem Gastfamilienwechsel kam auf. Ich hatte von Anfang an gewusst, dass ich nur eine Ankunftsfamilie hatte, aber ich hatte gehofft, dass ich letztendlich doch dort bleiben könnte. Das Problem war dann, dass mit dem Wechsel erst einmal Stress und Probleme aufkamen. Die beiden anderen Austauschschülerinnen in meiner Nähe hatten auch nur Ankunftsfamilien und die Suche nach anderen Gastfamilien lief auf Hochtouren, doch es waren keine in Sicht. Daher bat ich meine Lehrer und den Schulleiter um Hilfe bei der Suche nach einer neuen Gastfamilie für mich. Da ich die Region und Schule auf keinen Fall wechseln wollte, musste ich die Suche selbst in die Hand nehmen – YFU España hatte nämlich keine Familien in Kantabrien in Aussicht. Nach einiger Zeit des Hoffens und Wartens wurde mir von einem Lehrer mitgeteilt, dass sie eine mögliche Gastfamilie gefunden hatten. Als ich dann noch erfuhr, dass es die Familie von einer meiner besten Freundinnen war, konnte ich mein Glück kaum fassen. Am Tag danach lernte ich meine neue Gastfamilie kenne und schon als ich die Wohnung betrat, wusste ich, dass es „meine“ Familie war. Ich fühlte mich unglaublich wohl und am folgenden Wochenende wechselte ich zu ihnen. Ich wurde dort sofort wie eine weitere Tochter aufgenommen. Die Tatsache, dass ich mir mit meiner Gastschwester ein Zimmer teilen musste, sah ich eher als einen Gewinn, da ich keine Geschwister habe und in dieser Familie auf einmal 3 bekam.

Die kommenden Wochen vergingen sehr schnell, ich lebte mich ein und bekam mit der Zeit und der Verbesserung meiner Spanischkenntnisse mehr und mehr Freunde. Weihnachten verbrachten wir mit der ganzen Familie im Haus meiner Gastoma, die in einem kleinen Ort direkt an der Nordküste lebt. An Silvester durften wir uns nach einem gemeinsamen Abendessen noch mit unseren Freunden treffen. In den folgenden Wochen baute ich mir endlich einen eigenen Freundeskreis auf, lernte viel Spanisch und meldete mich im Fitnessstudio an. Schon stand die Mid-Year-Orientation vor der Tür – das bedeutete, die Hälfte meines ATJs war schon vorbei. Ich konnte es in diesem Moment noch gar nicht glauben, verbrachte aber eine sehr schöne Zeit mit den anderen Austauschschülern in Valencia. Zu meinem Bedauern vergingen auch die letzten Monate meines ATJs viel zu schnell. Diese waren aber gefüllt mit unvergesslichen Momenten, Samstagen mit meinen Freunden und wahnsinnig viel Glück. Viel zu schnell wurde es Mai, doch in diesen letzten Ferien fuhr ich mit meiner Gastfamilie nach Andalusien in den Urlaub. Dort verbrachte ich eine wunderschöne Woche mit meiner Familie, lernte viel über die Geschichte Spaniens und bekam einen extremen Sonnenbrand. :) Wenige Wochen danach war mein Geburtstag – er fiel auf das letzte Wochenende, das ich mit meiner Gastfamilie und Freunden in Spanien haben sollte. Es war der schönste Geburtstag, den ich je hatte, und eigentlich rechnete ich mit vielen Tränen, doch dem war nicht so. Die vielen Tränen kamen erst am folgenden Freitag, meinem letzten Tag bei meiner Familie. Meine Freunde hatten eine Überraschungsfeier für mich organisiert und es war der schönste Abschied, den man sich hätte wünschen können. Als dann alle gegangen waren, weinte ich mindestens eine Stunde und am Tag danach stand der Abschied von meiner Gastfamilie an. Auch dieser war sehr schwer für mich, genau wie der Re-Entry und die letzten Tage in Madrid. Ich wollte nicht wahrhaben, dass es vorbei war.

Am Tag meiner Ankunft war ich noch sehr glücklich, meine Familie und Freunde wiederzusehen, doch schon am 2. Tag fing es, mir schlechter zu gehen. Ich hatte das, was ich mir in den letzten 10 Monaten aufgebaut hatte, verloren und ich wollte mein altes Leben nicht zurückhaben. Jetzt, einen Monat nach meiner Rückkehr, geht es mir zwar immer noch nicht perfekt, aber ich kann es endlich akzeptieren, dass es vorbei ist.

Abschließend möchte ich sagen, dass es das bisher schönste und glücklichste Jahr meines Lebens war und ich mich persönlich sehr weiterentwickelt habe. Ich werde diese wundervolle Erfahrung nie vergessen und Spanien immer in meinem Herzen tragen. Ich habe dort eine Familie und Freunde fürs Leben gefunden. Ich würde mich immer wieder für ein ATJ entscheiden und kann es daher jedem nur empfehlen, so eine Erfahrung zu machen. Es lohnt sich! 

Maria-Zoe mit ihrer Gastschwester und besten Freundin

Ein Sonnenuntergang am Meer in Spanien

Maria-Zoe mit Freunden an ihrem Geburtstag

An der Biskaya

Typisch Spanisch - Eine Stierkampfarena in Mérida

Typische Häuser in Kantabrien