Lebensmotto: Lächeln

Erfahrungsbericht von Felix, Austauschjahr in Thailand

Am 30. Juni war es nach langem Warten endlich soweit und mein Abenteuer Auslandsjahr sollte beginnen. Ich bin zusammen mit allen anderen Austauschschülern von Frankfurt nach Bangkok geflogen. Schon beim Aussteigen aus dem Flugzeug hat man gemerkt, dass wir in etwas wärmeren Breitengeraden gelandet waren. Es war, als liefe man gegen eine Wand. So warm - und dazu auch noch diese Luftfeuchtigkeit. Ich habe bestimmt die ersten zwei Monate damit verbracht mich daran zu gewöhnen.

 

In Bangkok waren wir Austauschschüler dann noch eine Woche zusammen und hatten einen kleinen Sprach- und Kulturkurs. Natürlich stand aber auch Sightseeing auf dem Programm. Wir waren unter anderem im „Grand Palace", dem Sitz des Königs, haben eine Bootsfahrt unternommen und natürlich haben wir auch mehrere der großen Shopping-Malls besucht. Die Zeit in Bangkok war ziemlich lustig und wir hatten alle sehr viel Spaß.

 

Willkommen in Sukhothai!

Es hieß dann aber erstmal Abschied nehmen von den anderen Austauschschülern, da es dann in die Gastfamilien ging. Da ich im Norden in Sukhothai wohne, musste ich da noch hinfliegen. In der Nacht davor konnte ich vor Aufregung gar nicht schlafen. Schließlich war ich ab dann völlig auf mich alleine gestellt. Am Flughafen in Sukhothai hat die Aufregung dann aber schlagartig nachgelassen. Ich wurde von meiner Familie und von meiner YFU-Ansprechpartnerin abgeholt. Es war ein sehr freundlicher Empfang unter anderem mit einem großen Willkommensplakat. Wir sind dann erstmal nach Hause gefahren, wo ich mein eigenes Zimmer bekommen habe.

 

Nach dem ersten Wochenende zusammen mit meiner Familie musste ich dann auch schon in die Schule. Der erste Tag in der Schule war ziemlich aufregend. Ich musste mich am Anfang vor allen Schülern vorstellen. Das sind immerhin 2.800. In Deutschland hat meine Schule gerade mal 1.000 Schüler. Aber auch der Einstieg in die Schule war nicht schwer, da die Leute hier in Thailand einfach wundervoll sind. Sie haben immer ein Lächeln auf den Lippen und versuchen einem zu helfen. In der Schule habe ich schnell Freunde gefunden, mit denen ich schon viel Spaß hatte. Alle meine Freunde helfen mir auch mit der Sprache. Sie versuchen mir immer zu helfen, wenn ich Probleme habe. Mittlerweile kann ich mich aber schon ganz gut verständigen.

 

Überraschungen jeden Tag

Die ersten paar Wochen in Thailand waren jedoch ziemlich harte Arbeit, da die Kultur wirklich komplett anders ist als die deutsche. Es gab viele Umstellungen im täglichen Leben und jeden Tag gab es neue Überraschungen.

 

Ein großer Unterschied ist zum Beispiel die Schule. Die Schüler haben viel mehr Respekt vor den Lehrern. Immer wenn man einem Lehrer begegnet, sei es in der Schule oder auch sonst wo, grüßt man ihn mit einem „Wai". Der „Wai" ist der traditionelle Gruß in Thailand, bei dem man die Hände vor der Brust faltet und man sich leicht verbeugt. Den richtigen „Wai" zu lernen ist gar nicht so einfach, aber da man ihn jeden Tag benutzt, lernt man auch das schnell. Auch die Unterrichtsmethode ist eine ganz andere. Der Lehrer steht vor der Klasse und erzählt. Alle Schüler nicken brav, schreiben es sich auf und lernen es auswendig. Hinterfragt wird nichts. Auch die eigene Meinung spielt keine Rolle. Denn wer sich gegen den Lehrer auflehnt der kann auch Probleme bekommen.

 

Hier trage ich auch eine Schuluniform. Sie hat schwarze Schuhe mit weißen Socken, eine schwarze kurze Hose und ein weißes Hemd. Dazu gibt des dann noch die Sportuniform, die in den Schulfarben gehalten ist. Also in meinem Fall lila und pink! Auch wenn ich die Schuluniform am Anfang nicht so gerne getragen habe, finde ich sie jetzt eigentlich ganz gut, denn als „Farang" – so werden hier westliche Leute genannt – fällt man ganz schön auf. Durch die Schuluniform kann man zumindest ein wenig untertauchen.

 

Die Schule hier macht mir total viel Spaß, da man jeden Tag netten Leuten begegnet. Mittlerweile kann ich auch schon ganz gut Thai sprechen und kann mich dann mit ihnen unterhalten, was immer total lustig ist, da normalerweise jeder davon ausgeht, dass ein „Farang" kein Thai spricht.

 

Meine Gastfamilie

In meiner Familie fühle ich mich sehr wohl. Sie haben mir direkt am Anfang gesagt, dass sie mich wie ihren eigenen Sohn behandeln, sodass ich mich direkt geborgen gefühlt habe. In meiner Familie habe ich zwei Brüder und zwei Schwestern. Meine Brüder sind 11 und 13 Jahre alt. Meine Schwestern 17 und 19.

 

Meine Schwestern sehe ich aber immer nur am Wochenende, da sie in Phitsanulok, einer Stadt ca. 80 km entfernt, zur Schule bzw. Universität gehen. Am Wochenende unternehmen wir dann aber oft viele Dinge. Wir waren schon in verschiedenen Geschichtsparks, haben verschiedene Städte besucht oder waren Freunde meiner Familie besuchen. Das ist immer mit viel Spaß verbunden.

 

Voller Eindrücke ins YFU-Camp

Im September hatten wir unser erstes YFU-Camp, bei dem sich alle Austauschschüler wieder getroffen haben, um über ihre Erfahrungen zu sprechen aber auch um einfach ein bisschen Urlaub zu machen. Wir haben uns in Bangkok getroffen und dort eine Nacht übernachtet. Dort hatten wir dann die Chance, uns über unsere Erfahrungen auszutauschen. Und das waren ziemlich viele. Positive wie negative, jedoch von meiner Seite überwiegend positive. Nach der Nacht in Bangkok mussten wir noch unsere Visa verlängern, aber dann ging es nach Hua-Hin an den Strand. Das war eine ziemlich tolle Zeit zusammen mit den anderen. Danach hieß es aber wieder zurück in die Gastfamilien. Ich hatte total Glück, denn meine Gastmutter hatte in meiner Abwesenheit noch eine weitere Reise an den Strand organisiert. Ich war ganz schön überrascht. Wir haben dort Verwandte besucht und wieder viele tolle Erlebnisse zusammen gehabt.

 

Was ich außerdem an Thailand liebe, ist das Essen. Die thailändische Küche ist so abwechslungsreich und vor allem lecker. In der Schule und zu Hause habe ich Kochunterricht. Mir macht kochen sehr viel Spaß, sodass ich diese Stunden immer besonders genieße.

 

Bis jetzt habe ich es nicht eine Sekunde lang bereut, diesen großen Schritt Auslandsjahr gewagt zu haben. Jeden Tag, den ich hier verbringe, genieße ich aufs Neue. Immer mit dem thailändischen Lebensmotto Nummer eins: Lächeln. Das öffnet einem hier Türen. Ganz wie in dem Spruch „Dein Gesicht wird dir geschenkt, lächeln musst du selbst". Wenn man diesen Spruch im Hinterkopf hat, kann man ziemlich gut mit den Menschen kommunizieren.

Felix in Thailand

Typisch thailändisch: Elefantenreiten

Felix am Strand

Felix mit thailändischen Klassenkameraden