Mit offenen Armen empfangen

Erfahrungsbericht von Tatjana, Austauschjahr in Thailand

Mit Tränen in den Augen stand ich am Flughafen, die anderen schon an den Sicherheitskontrollen, ich immer noch in den Armen meiner Familie. In wenigen Minuten würde ich sie und Deutschland für 10 Monate verlassen und mich in mein Austauschjahr nach Thailand begeben.

 

Damals ahnte ich noch nicht, was mich in Thailand alles erwarten würde.

 

„Thailand", haben mich viele gefragt, „was willst du denn da?" Nun, so ganz recht wusste ich das auch nicht, aber ich wusste, dass ich etwas Neues erleben wollte. Also flog ich zusammen mit 12 anderen aufgeregten YFUlern nach Bangkok.

 

Ankunft

Nach einer Orientierungswoche war ich auch schon bei meiner Gastfamilie; Vater, Mutter und 2 kleine Gastschwestern erwarteten mich. Auch in der Schule war ich schon bekannt, bevor ich überhaupt angekommen war: meine Betreuerin, die selbst Lehrerin an meiner neuen Schule war, hatte mich schon angekündigt. Überall wurde ich mit offenen Armen empfangen, meine Mitschüler versuchten mit gebrochenem Englisch, mich auszufragen und wollten alles von mir wissen. Freunde zu finden, war daher nicht sonderlich schwer. Nach einigen Monaten konnten wir uns sogar schon auf Thai unterhalten, was dazu führte, dass noch mehr Leute mit mir reden wollten – ein „Farang“, ein Westler, der Thai sprach – so etwas hatte es schon lange nicht mehr in der 10 000 Einwohner-Stadt an der Grenze zu Kambodscha gegeben.

 

Schule

Die Schule beginnt in Thailand traditionell damit, dass alle sich auf dem Schulhof um 8 Uhr morgens treffen und die Nationalhymne singen. Bei ca. 30-40°C kommt einem jede Minute auch schon um 8 Uhr morgens extrem lange vor. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich aber daran.

 

Meine Fächer konnte ich mir als Austauschschüler aussuchen, einen festen Klassenverband gab es für mich nicht. Mein Stundenplan war also voller Fächer wie Kochen, „Thai massage“, wozu ich in das benachbarte Krankenhaus laufen musste, Kunst, „Sword“, „Thai language“, aber auch Englisch, Mathe und Volleyball waren dabei. Freistunden hatte ich trotzdem genügend, die ich oft damit verbracht habe, mich einfach bei irgendwelchen Klassen in den Unterricht zu setzen.

 

Mittags hatten wir eine Schulstunde Pause zum Essen. Essen, eines der Dinge, die ich sehr an Thailand liebe. 15 verschiedene kleine Läden gab es, an denen ich mir für ca. 50ct mein Mittagessen holen konnte – jeder Laden hatte etwas anderes anzubieten, und egal wo ich mir etwas geholt habe, es war immer köstlich.

 

Nach der Schule ging es dann manchmal shoppen, manchmal Karaoke singen (Thais lieben Karaoke), an manchen Tagen war ich aber allein vom Thai-Sprechen so müde, dass ich mich erstmal eine Stunde schlafen gelegt habe.

 

Feste

In Thailand werden Feste immer ganz groß gefeiert – egal ob Schulfest, Geburtstag des Königs oder religiöses Fest. Ich als „Farang“ durfte natürlich nicht fehlen. Meistens wurde mir ein traditionelles Thai-Kostüm gegeben, das ich an dem Fest tragen sollte. Vor Fotos konnte ich mich kaum retten.

 

Tänze wurden einstudiert, Kostüme wurden genäht, die Schule wurde geschmückt, Paraden wurden organisiert...und das alles schon Monate vorher. Ich kann mich kaum an Tage erinnern, da nichts für ein bevorstehendes Fest organisiert wurde.

 

Reisen

Die meisten Reisen habe ich mit YFU unternommen. Nach Chiang Mai in den Norden, Surratthani im Süden, wir sind fast durch ganz Thailand gereist. Die Camps waren immer total spannend und haben Spaß gemacht – ich meine, wie oft bekommt man schon die Gelegenheit, an den schönsten Stränden der Welt tauchen zu gehen oder 3 Tage lang seinen persönlichen Elefanten zu versorgen und zu reiten? Außerdem war es richtig toll zu hören, was die anderen Austauschschüler so machten.

 

Ein paar Reisen habe ich auch mit meiner Gastfamilie unternommen. Einmal auch nach Kambodscha, da wir nur 6 km von der Grenze entfernt wohnten. Ich muss sagen: Thailand ist ein wunderschönes Land.

 

Fazit

Abschließend kann ich sagen, dass meine anfänglichen Sorgen, ob ich mit der anderen Kultur, der Sprache und mit Heimweh zurecht kommen würde, total unbegründet waren. Ich kann jedem den Sprung ins kalte Wasser nur empfehlen. Ob in Thailand oder in einem anderen Land – ich denke, ein Austauschjahr lohnt sich immer!

An einem buddhistischen Tempel in Bangkok

Tatjana (rechts) bei einer Parade anlässlich des thailändischen Lichterfests (Loy Krathong)