Ein Austauschjahr bedeutet …

Erfahrungsbericht von Laura, Austauschjahr in den USA

Mein Austauschjahr neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu. Ich habe in diesem Jahr viele tolle neue Erfahrungen gesammelt, viele neue Menschen kennengelernt und ich bin erwachsener geworden. Rückblickend würde ich die Entscheidung ins Ausland zu gehen immer wieder treffen, darüber muss ich gar keine Sekunde nachdenken. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie aufgeregt und neugierig ich vor meinem Auslandsjahr war. Ich wollte alles darüber wissen und genau deswegen möchte ich diesen Text für euch zukünftige Austauschschüler schreiben. Ich habe eine ganze Menge Berichte gelesen, mir tausend YouTube Videos angeschaut und viele, viele Blogs durchgelesen. Bei den meisten Texten hatte ich jedoch immer das Gefühl, dass alles total verschönert dargestellt wird. Es wurde die meiste Zeit nur über die ganz besondere Momente erzählt, nicht über das Alltagsleben, es wurden nie die Gefühle beschrieben, sondern nur Ereignisse...

 

Ein Austauschjahr bedeutet ...

  • ... Veränderung (angefangen mit der Schule, der Umgebung und den Gewohnheiten).
  • ... eine neue Sprache zu lernen und plötzlich in der Lage zu sein, mit Menschen aus komplett verschiedene Kulturen kommunizieren zu können.
  • ... ein bisschen mehr Frieden in die Welt zu bringen, da man eine Verbindung zwischen zwei Länder knüpft, Freundschaften zwischen zwei Kulturen schließt, und so Toleranz und Verständnis füreinander entwickelt.
  • ... reifer werden.
  • ... anzufangen deine eigene Meinung zu bilden und dich nicht von anderen manipulieren zu lassen. Dadurch, dass du mehrere Kulturen kennst und mehrere Meinungen hörst, kannst du anfangen, Sachen zu vergleichen und für dich selber zu entscheiden, was richtig und was falsch ist.
  • ... neue Freunde kennen zu lernen. Ihr müsst jedoch wissen, dass man etwas dafür tun muss. Ihr könnt nicht erwarten, dass sie auf euch zukommen. Es ist nicht einfach, es ist manchmal unangenehm, immer und immer wieder auf andere, neue Menschen zugehen zu müssen, immer das Gefühl zu haben, zu allen Leute nett sein zu müssen und immer zu versuchen, ein Gespräch aufzubauen, aber es ist es wert, denn das Gefühl tatsächlich Freunde gefunden zu haben ist einzigartig. Es ist einfach toll am Wochenende mit Freunden ins Kino oder in die Mall zu gehen oder einfach nur zu Hause mit den Freunden einen DVD Abend zu machen, denn es gibt dir das Gefühl, dass du tatsächlich ein Leben in deinem Gastland hast, dass du eine unvergessliche Zeit verbringst. Du siehst so viele neue Orte, du isst so viele neue Gerichte, du bekommst die Gelegenheit einige Dinge zu machen, die du sonst niemals gemacht hättest und die Gelegenheit total verrückte Sachen auszuprobieren.
  • ... vermissen – vor allem deine Eltern und deine Geschwister – und zum ersten Mal zu erkennen, wie sehr du sie eigentlich liebst und zu spüren, dass sie dich auch lieben. Die Freude in ihren Augen zu sehen, wenn sie nach Tagen ohne etwas von dir zu hören mit dir skypen können. Ein Austauschjahr ist die beste Familientherapie, die man jemals haben kann, da man wirklich erkennt, was man aneinander hat. Alles was für einen vorher selbstverständlich war, ist plötzlich super wertvoll.
  • ... bedeutet, mit der Tatsache leben zu müssen, dass nicht alles immer so kommt, wie man es sich vorgestellt hat, und dass nicht alles perfekt sein kann, und es bedeutet, mit der Zeit aber zu lernen, dass man trotzdem immer das Beste aus der Situation ziehen muss, dass man mit einer positiven Einstellungen trotzdem eine einzigartige Zeit verbringt kann, auch wenn nicht alles so ist, wie man es gerne möchte

Ein Austauschschüler zu sein bedeutet ...

  • .... die große weite Welt erkunden zu gehen.
  • .... selbstständiger zu werden.
  • .... Wertschätzung für die Eltern zu spüren.
  • ... zu lernen "Danke" zu sagen ... und es auch zu meinen.
  • ... ein Gefühl von Verbundenheit zu anderen Austauschschülern, dieses Etwas, das die meisten Austauschschüler ausstrahlen, dieses Geheimnis, das alle Austauschschüler miteinander teilen, dieses Etwas, das du fühlst, wenn du am Abend im Bett liegst und darüber nachdenkst, was du schon alles geschafft hast. Man könnte versuchen es mit Stolz und Selbstbewusst zu beschreiben, aber da ist noch etwas mehr, dass man nur versteht, wenn man alles selbst erlebt hat.
  • ... viele neue Unterrichtsfächer zu haben, Fächer, die du in deiner Heimat niemals haben könntest, und Fächer, die dir super viel Spaß machen, einfach weil deine Mitschüler super nett zu dir sind und dir das Gefühl geben dazuzugehören. Es bedeutet aber auch Fächer zu haben, die du nicht so gerne magst, wo du die ganze Zeit nur auf die Uhr schaust und hoffst, dass die Minuten schnell vergehen.
  • ... ein neues Zuhause zu finden und das Gefühl zu haben, sich an einem anderen Ort komplett wohl zu fühlen.
  • ... sich über die kleinen Dinge zu freuen und zu realisieren, dass sie oft viel wichtiger sind, als man denkt.
  • ... eine unvergessliche Zeit zu haben, eine Zeit, auf die du mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurückblicken wirst, eine Zeit, von der du selbst deinen Enkelkindern erzählen wirst, eine Zeit, in der du selbstbewusster wirst, weil du mit Stolz von dir behaupten kannst, was großes geschafft zu haben.
  • ... zu vielen coolen Schul-Events zu gehen, den School Spirit deiner Schule zu spüren, einem School Team beizutreten und dich nicht als "Laura" angesprochen zu fühlen, sondern als "Germany".
  • ... aber auch manchmal gelangweilt zuhause zu sein, weil man keine öffentlichen Verkehrsmittel zu Verfügung hat und sich zu wünschen, man könnte einfach fahren.
  • ... sich selbst zu finden und sich neu zu entdecken.
  • ... auch mit der Tatsache leben zu müssen, dass du in einer anderen Kultur bist und du deren Regeln befolgen musst, egal ob du sie magst oder nicht, du die Regeln als sinnvoll empfindest oder nicht, oder du denkst, dass deine Regeln in deinem richtigen Zuhause besser sind. Denn die Regeln befolgen gehört dazu, um die Kultur wirklich kennenlernen zu können. Doch hast du dich einmal daran gewöhnt, scheint alles gar nicht mehr so schlimm. Dann kannst du alles viel mehr genießen, und dieses Gefühl, dass du wirklich in deinem Gastland angekommen bist, dich dort zurecht findest, du wirklich dein Traum lebst, dieses Gefühl kannst du nur verstehen, wenn du ein Austauschschüler bist.

Laura mit ihrer Gastfamilie

Laura mit ihrer Schulmannschaft

Laura bei einem Football-Spiel

Laura mit Freundinnen in den USA