Ein Jahr zu Hause in Texas

Erfahrungsbericht von Anika, Austauschjahr in den USA

9. August – ein Tag, auf den ich lange gewartet hatte. Heute sollte für mich ein neues Leben beginnen. Als ich dann am Frankfurter Flughafen stand, wurde mir bewusst, dass ich meine Familie nun zum letzten Mal für die nächsten 11 Monate sehen würde. Ich fragte mich, was ich, ein erst 15-jähriges Mädchen, hier mache, ob ich das wirklich möchte oder ob ich nur träume. Dann ging alles ganz schnell, ein letztes Foto wurde gemacht und ich musste mich von meinen Eltern und zwei jüngeren Brüdern verabschieden. Zusammen mit all den anderen Austauschschülern machte ich mich auf den Weg zum Flugzeug. Vor lauter Aufregung waren meine Zweifel an mir selbst wieder verschwunden. Ein langer Weg lag vor mir bis ich in Texas ankommen sollte.

Das Abenteuer Austausch beginnt

Mein erster Halt war Washington, danach ging es weiter nach Denver, wo ich in einem Hotel übernachten musste, da mein dritter aber auch letzter Flug erst am nächsten Tag war. Nach 38 Stunden kam ich endlich überglücklich in Lubbock, Texas an. Dieses Gefühl, als ich das erste Mal auf meine Gastfamilie traf, war unbeschreiblich schön.

Meine Gastfamilie war ein Traum. Ich hätte mir keine bessere Familie vorstellen können. Wir hatten alle ein sehr offenes Verhältnis zueinander und mit meinen Gastgeschwistern habe ich mich sehr gut verstanden. Als ich in Texas ankam waren mein kleiner Gastbruder 13, meine kleine-große Gastschwester 5 und meine kleine Gastschwester eine Woche alt. Es war eine neue Erfahrung für mich Schwestern und vor allem einen Säugling im Haus zu haben. Mit meinem Gastbruder habe ich häufig nach der Schule zusammen Basketball oder auch mal Football gespielt. Meiner Gastschwester habe ich bei den Hausaufgaben geholfen, wir haben zusammen gemalt und gebastelt oder auch mal die Barbie-Sammlung aufgeräumt.

Gewohnt habe ich wie gesagt in Lubbock, Texas. Lubbock ist die elftgrößte Stadt in Texas. Sie liegt im Nordwesten des Bundestaates. Es war immer sehr heiß und hat nur sehr selten mal geregnet. Schnee hatten wir auch einmal an einem Morgen 2 cm, doch das war nur von kurzer Dauer.

„Black-Days" und „Red-Days"

Mein erster Schultag war richtig aufregend. Ich hatte meine High School vorher schon von innen und außen besichtigt, doch dann kam der große erste Tag. Ich erinnere mich noch genau, ich stieg aus dem Auto aus und lief direkt auf ein herumstehendes Mädchen zu und fragte sie, ob sie mir helfen könnte. Das Mädchen konnte mir leider nicht viel weiterhelfen, da es gerade erst nach Texas gezogen war. Zusammen beschlossen wir dann die High School zu erkunden. Schnell war der erste Schultag vorbei und mit der Zeit fand ich mich in der High School gut zurecht. Es gab einen „Black-Day" und einen „Red-Day" im Wechsel, an jedem Tag hatte ich jeweils 4 verschiedene Fächer. Mein „Black-Day" bestand aus: Kunst, Französisch – Mittagspause – Band, Englisch und mein „Red-Day" bestand aus: Band, Mathe – Mittagspause – BIM (Computer Kurs), US Geschichte. Ein ganz normaler Schultag begann für mich um 6.45 Uhr mit Band, der reguläre Unterricht fing um 8.30 Uhr an und endete um 16.35 Uhr. Ich entschied mich bei der Band mitzuspielen und bei der Marching Show mitzulaufen. Meine Querflöte hatte ich aus Deutschland mitgebracht. Von Anfang an wurde ich sofort herzlichst in die Bandfamilie aufgenommen. Insgesamt waren wir 6 Austauschschüler (3 Deutsche, 2 Chinesen und eine Holländerin). Wir haben uns untereinander gut verstanden und haben auch mal den einen oder anderen Nachmittag zusammen in der Mall verbracht.

Vom „School Spirit" gepackt

Wie aus den meisten amerikanischen Filmen bekannt ist, gab es an meiner High School auch „Home Coming" oder „Prom". Zu Prom, dem Abschlussball im Mai, bin ich mit meiner besten Freundin und ihrem Freund gegangen. Mit einer großen Gruppe sind wir vorher gemeinsam essen gegangen, haben zusammen Bilder gemacht und sind anschließend auf den Abschlussball gegangen. Nach dem Ball sind wir alle noch frühstücken gegangen, da es schon früh morgens war. Ein unbeschreiblich tolles Erlebnis. Der „School Spirit" – einfach unbeschreiblich. Alle halten zusammen und stehen wirklich hinter dem Footballteam oder hinter den anderen Sportmannschaften. Als wir mit der Band zum „State-Marching Contest" (die 20 besten Bands aus Texas kommen zusammen und treten gegeneinander an) gefahren sind, nach San Antonio, haben die ganzen Schüler in ihren Klassenräumen die Übertragung im Fernsehen angeschaut. Die ganze Schule hat mit uns mitgefiebert. Nachdem wir unsere Show beendet hatten, war ein richtig lautes Gejubel in den Gängen zu hören gewesen, so erzählten sie uns später.

Ein weinendes und ein lachendes Auge

Mein Schuljahr in den USA war Ende Mai zu Ende. Der Abschied nahte von all meinen Freunden, die ich über das Jahr gefunden hatte. Ich wusste, ich würde erst im Juni nach Hause fliegen und meine Gastfamilie entschied sich dazu, mit mir zusammen einen Monat lang durch ganz Texas zu reisen. Ich sollte noch etwas von Texas sehen können, während ich meinen letzten Monat in Amerika verbrachte.

28. Juni - es war so weit. 324 Tage Texas nahmen ein Ende. Zusammen mit einem Austauschschüler von Deutschland machte ich mich schweren Herzens wieder auf dem Weg nach Hause. Ein weinendes und ein lachendes Auge – es hieß wieder Abschied nehmen wie vor 11 Monaten.

Anika mit Freunden beim Abschlussball

Anika mit einer ihrer Gastschwestern

Deutsch-Amerikanischer Kulturaustausch

Die Landschaft in Texas