Gutes Wetter, Softball und eine neue Lieblingsstadt

Erfahrungsbericht von Janina, Austauschjahr in den USA

„Und wie war‘s?“, ist wahrscheinlich die Frage die ich bald hunderte Mal gestellt bekomme werde, wenn ich wieder zurück in Deutschland bin. Aber wie beantwortet man so eine Frage?

 

Als erstes Mal, mein Name ist Janina ( in Amerika kennt man mich als Nina ) und ich habe mein Auslandsjahr in Festus, Missouri in Amerika verbracht. Ich habe eine Gastmutter und einen Gastpapa, welche beide zwischen 50 und 60 Jahre alt sind. Ich habe ebenfalls eine 19 Jahre alte Schwester und einen Bruder. Meine Schwester geht zur Zeit ins College und ist darum nur während der Ferienzeit zu Hause. Mein Bruder ist schon verheiratet und wohnt 17 Stunden entfernt, dennoch haben wir ihn in New York besucht und er ist zu Besuch gekommen. Meine Gastfamilie hat sechs Katzen, einen Hund, zwei Hasen und Fische, etwas ganz neues für mich, da ich in Deutschland nur einen Hund habe. Da wir etwas am Rande im Wald wohnen haben wir immer Eichhörnchen, Waschbären, Rehe, Opossums, Vögel, Schlangen ( ja Schlangen…) Spinnen, alle möglichen Insekten, Truthähne und selbst Schildkröten in der Sommerzeit um uns herum. Ein kleiner Zoo, wenn man es mal so sagen will.

 

Das Wetter in Missouri kann sehr warm werden, ich erinnere mich noch als ich aus dem Flughafen raus an die frische Luft bin, mich hat erst mal der Schlag getroffen. Ich kam Anfang August nach Amerika und in Deutschland hat es schon angefangen langsam wieder kühler zu werden, naja in Missouri halt noch nicht wirklich. Wir hatten 30 bis 40 Grad und nicht zu vergessen die LUFTFEUCHTIGKEIT! Daran musste ich mich dann auch erst mal gewöhnen, was aber auch relativ schnell geklappt hat. Ich bin ein Sommerkind, wie man so schön sagt, darum hatte ich ganz und gar nichts gegen das warme Wetter.

 

Schule & Freunde

Ich bin zu einer privaten katholischen High School gegangen. Du wirst Schule ganz anders erfahren, als du es gewöhnt bist. Du kannst aussuchen welche Kurse du haben möchtest und nicht nur zwischen Mathe, Englisch und Erdkunde, sondern auch Astronomy, Film, Crossfit, Drug Education,… was auch immer deine Schule anbietet. Meine Schule war sehr klein, was ich als Vorteil bezeichnen würde. Mit ungefähr 300 bis 400 Schülern kenn ich so ziemlich jeden. Auch die Beziehung mit deinen Lehrern wird wahrscheinlich anders sein. Ich kann nur von meiner Schule sprechen, aber ich hatte richtig gute Beziehungen mit meinen Lehrern. Manche Lehrer habe ich sogar beim Vornamen genannt oder beim hallo sagen umarmt, was ganz und gar nicht normal in meiner Schule in Deutschland ist.

 

Meine Schule war wie eine kleine Familie und ich habe es geliebt durch die Gänge zu laufen und jeden zu kennen. Aber wie findet man überhaupt neue Freunde? Das Beste was du machen kannst ist einem Club beizutreten. Ich habe Softball gespielt. Du brauchst keine Angst zu haben, wenn du es nicht hinbekommst, oder nicht gut bist. Sei einfach mega offen und versuch etwas neues, dass ist der Schlüssel für ein gutes Austauschjahr. Ich habe meine 2 besten Freunde durch Softball kennengelernt und es war die beste Entscheidung die ich treffen konnte. Ich bin ein sehr offener Mensch und bin es gewohnt immer etwas mit Freunden zu unternehmen, auch wenn ich am Anfang Freunde hatte oder angefangen habe Freundschaft zu schließen, hab ich den ersten Monat nicht wirklich etwas außerhalb der Schule mit Freunden unternommen. Für mich war das dann erst mal sehr enttäuschend, auch wenn ich wusste, dass es normal ist, hat es mich unsicher gemacht. Keine Sorge du wirst mehr mit deinen Freunden unternehmen.

 

Bevor ich nach Amerika gekommen bin, hatten wir ein Zelten mit Austauschschülern, die von ihrem Auslandsjahr zurückgekommen sind und ich werde diesen einen Satz nie vergessen „Deine besten Monate werden die letzten sein.“ Jedes Mal wenn etwas nicht gelaufen ist wie ich es mir vorgestellt habe, habe ich mir diesen Satz gedacht. Alles im allem, bin ich glücklich, dass ich sagen kann mein ganzes Austauschjahr war unvergesslich und erfolgreich. Ja, du wirst auch nicht so gute Zeiten haben, aber diese werden vorbeigehen und machen dich nur stärker.

 

Thanksgiving, Weihnachten & Silvester

Über Thanksgiving sind wir nach New York gefahren und haben meinen Bruder besucht. Dort habe ich dann die volle Erfahrung von Truthahn, Pumpkin Pie und dem ganzen Thanksgiving Essen gemacht. Am Abend haben wir Spiele zusammen gespielt und hatten Familienzeit. Man kennt es immer von Filmen, aber dann den Truthahn und Pumpkin Pie selber zu probieren war richtig cool.
Über Weihnachten hab ich meine Familie vermisst. Vieles wird anders laufen als du es gewöhnt sein wirst. Dieser Unterschied war nicht schlecht, aber einfach sehr ungewohnt. Während Feiertagen wird die Zeit sein wenn du deine Familie am meisten vermissen wirst.
Ich muss sagen Silvester hat mich enttäuscht. Ich bin eine große Feier gewöhnt und Feuerwerk. Mein Silvester habe ich in Charleston, South Carolina verbracht was mega cool war, aber an Silvester haben wir gar nichts gemacht. Es kommt auf die Familie an, die du bekommen wirst. Für meine Familie war es normal nichts zu machen und das ist okay, also sei nicht zu enttäuscht wenn du nicht viel machen wirst. Jeder verbringt sein Silvester anders.

 

Homecoming & Prom

Ich glaub so ziemlich jedes Mädchen ist mega aufgeregt auf Homecoming und Prom. Jeder kennt es von den Filmen und ich muss sagen mein Homecoming und Prom war hammermäßig. Ich bin noch nie zum Friseur gegangen und hab mir die Haare machen lassen, das war für mich auch mega cool. Es ist einfach ein richtig aufregender Tag. Wenn du es magst zu tanzen und dich aufzustylen, wirst du es lieben.

 

YFU Trip - Belo USA

Ich hab irgendwann eine E-mail von BELO USA bekommen, welche mich über verschieden Trips informiert hat. Wenn du die Möglichkeit hast, ich kann es nur empfehlen! Es ist natürlich nicht umsonst, deswegen wenn du die Möglichkeit hast. Ich bin mit Belo USA nach Los Angeles und San Francisco gegangen ( CA Adventure ) und es war einfach unglaublich. Du gehst mit Austauschschülern die ihr Jahr ebenfalls in den USA verbringen. Wenn du dich dafür entscheidest einen Trip zu machen, dann melde dich am besten rechtzeitig an, weil die Plätze relativ schnell gebucht werden. Ich meine du hast Zeit, aber entscheide dich besser rechtzeitig, als zu spät. Meine kleine Gruppe mit Leuten mit denen ich abgehangen habe bestand aus zwei Austauschschülern aus Italien, einem Dänen, drei Deutschen und zwei Indonesier. Für mich war es eine super Erfahrung zu hören, was andere zu erzählen haben und auch über ihre Heimatländer. Meine kleine Gruppe ist sogar zu einem indonesischen Restaurant gegangen und wir haben alle indonesisches Essen probiert, war auch mal was Neues. Während des Trips habe ich mich in San Francisco verliebt, momentan meine absolute Lieblingsstadt!

 

Generell

Ich bin dieses Jahr ziemlich rumgekommen. Ich war in Washington D.C. und bin beim Pro Life Trip mitgelaufen, war über Spring Break mit meinen zwei besten Freunden in Branson, war in Boston, bei den Niagarafällen und dann all die anderen Orte wie schon oben erwähnt. Ich hab bei Konzerten gesungen, da ich im Chor war, hab den Schoolspirit erlebt, bin zu verschieden Schultänzen gegangen und einfach generell die Zeit die ich mit meiner Familie und Freunden verbracht habe. Es ist sehr hilfreich, dass man in Amerika ab 16 Jahren Auto fahren kann, weil hier ist alles viel weiter entfernt. Es ist normal 30 Minuten zu deinem Freund oder Freundin zu fahren. Hier gibt es so viel bessere Fast Food Restaurants als McDonalds! Meine Familie liebt Schnitzel und wenn du die Möglichkeit hast, koche ein Essen aus deinem Heimatland. Genieß einfach die Zeit und versuch so viel wie möglich zu unternehmen.

 

Erwachsen werden / Zukunft

Ich war schon immer ein ziemlich selbstständiger Mensch, was mir im Auslandsjahr sehr geholfen hat, da du auf dich alleine gestellt bist. Während deines Jahres wirst du definitiv selbstständiger und erwachsener. Ich habe mit 16 Jahren mein Auslandsjahr gestartet, bin 17 in Amerika geworden und wenn ich zurück komme nach Deutschland werde ich 18. Das Alter spielt natürlich auch eine Rolle, aber dein ganzes Denken wird sich ändern. Ich bin mehr fokussiert auf das, was ich im Leben erreichen möchte. Meine Entscheidungen die ich treffe sind verantwortungsbewusster, würde ich sagen.

 

Was natürlich auch viel besser sein wird ist dein Englisch oder je nachdem welche Sprache sie in deinem Gastland sprechen. Es ist wirklich sehr schwer zu beschreiben, aber wenn du in der Situation sein wirst, wirst du wissen was ich meine.

 

Es ist einfach unendlich krass wie schnell das Jahr rumgegangen ist, insbesondere nach Silvester. Ich habe jetzt noch genau einen Monat und natürlich freue ich mich schon meine Familie in Deutschland zu sehen, dennoch möchte ich mein Leben, das ich hier aufgebaut habe, nicht verlassen. Genauso wie ich mein Leben hier aufgebaut habe, werde ich es mir in Deutschland wieder aufbauen müssen. Ich habe Freunde und Familie hier gefunden, die meiner Meinung nach für immer sind. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir uns nicht aus den Augen verlieren werden und ich plane momentan schon wann ich nächstes Jahr zu Besuch kommen werde. Ich habe jetzt zwei Orte, die ich als mein Zuhause betrachte und die Erfahrungen die ich in diesem Jahr gemacht habe sind einzigartig.

 

Janina mit ihren Freundinnen in den USA

Mit Freunden aus aller Welt

Beim Prom

Janina mit ihren Gasteltern