Schule, Sport und Kirche mal anders

Erfahrungsbericht von Ingo, Austauschjahr in den USA

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten! Ob das mein erster Gedanke war, als ich damals aus dem Flugzeug in Washington D.C. stieg, weiß ich nicht mehr, wohl aber dass ich aufgeregt war. Sehr sogar. Jeder kennt die USA aus Filmen und Büchern, doch als ich den amerikanischen Boden mit dem Wissen betrat, die nächsten 10 Monate meines Lebens hier zu verbringen, erschien mir alles doch sehr fremd. Plötzlich wurde überall nur noch englisch gesprochen und ich begriff allmählich, dass ich niemanden mehr hatte, der mir auf Deutsch antworten würde. Meine Reise ging letztendlich nach White Lake, Michigan, eine kleine Stadt in der Nähe von Detroit. Dort lebte ich mit der tollsten Gastfamilie die ich mir vorstellen kann. Neben meinen beiden Gasteltern Kevin und Jennifer, gab es noch meine Gastgeschwister Cal und Claire. Sie alle waren ausschlaggebend für das unglaubliche Jahr, das ich dort erleben durfte.

 

Mein Englischunterricht hatte ganze Arbeit geleistet

Besonders in den ersten Wochen war ich überrascht, wie schnell ich in die Sprache hineinwuchs. Mein Englischunterricht zu Hause hatte wirklich ganze Arbeit geleistet, denn obwohl ich schon vier Tage nach meiner Ankunft in die Schule musste, verstand ich bald jeden Amerikaner ohne Probleme. Ich ging auf die Holly High School, Heimat der „Bronchos“ (das sind wilde, ungezähmte Pferde). Mit 1400 Schülern waren dort viele schillernde Persönlichkeiten vertreten und von den Cheerleadern bis zum Baseball-Team fand ich alle, aus einschlägigen Teenie-Filmen bekannten, Gruppierungen. Der immer wieder zitierte School-Spirit erfasste auch mich und spätestens als ich in das Schwimm-Team eintrat, war auch ich ein stolzer Vertreter der Bronchos geworden. Wir kämpften gegen die Ice Bears, die Hawks und allerlei anderer, meist wilder Tiere, die die Wahrzeichen der amerikanischen High Schools sind. Die vielen, über das Jahr verteilten Aktivitäten trugen dazu bei, die Schülerschaft mit ihrer Schule zu verbinden, so zum Beispiel die Spirit Week (eine Art Mottowoche) oder das Homecoming (eine Parade durch die Stadt zu Ehren von Ehemaligen).

 

Sonntags früh aufstehen? Kein Problem!

Auch die Kirche unterschied sich sehr von dem, was ich in Deutschland kennen gelernt hatte. Große moderne Räume, Live-Bands, die die Lieder begleiteten und gut besuchte Jugendgruppen übten einen starken Reiz aus, sodass ich jeden Sonntag aufstand, um mit meiner Gastfamilie zur Kirche zu fahren. Mit meinem Gastbruder und einem Freund hatte ich eine kleine Band gegründet und so durften wir auch gelegentlich im Gottesdienst auftreten oder auf kleinen, von der Kirche organisierten, Festivals spielen. Dabei kam ich natürlich mit allerlei interessanten Menschen in Kontakt und ich fand heraus, dass viele der dortigen Amerikaner, Vorfahren in Deutschland hatten oder selbst schon einmal dort gewesen waren. Obwohl ich schon davon gehört hatte, war ich erstaunt, wie warmherzig und aufgeschlossen alle Menschen mir gegenüber waren und auch das Interesse an dem Land, das einst durch seine dunkle Vergangenheit berühmt wurde, war groß.

 

Freundschaften fürs Leben

Gegen Ende des Jahres verging die Zeit immer schneller und ich begriff allmählich, dass ich bald wieder in meine eigentliche Heimat zurückkehren würde. Viele Menschen waren mir ans Herz gewachsen und besonders mit Freunden und meiner Gastfamilie hatte ich viel erlebt (das äußerst spaßige Ausräumen von Klischees sollte an dieser Stelle genannt werden ;). Ich habe viel über mich selbst gelernt und in den USA eine zweite Heimat gefunden. Obwohl am Anfang alles so anders schien, haben die wunderbaren Menschen dort bewirkt, dass ich das außergewöhnlichste Jahr meines Lebens nie vergessen werde und auf viele lebenslange Freundschaften zurückblicken kann. 

Ingo auf einem Ausflug mit seiner Gastfamilie

Ingo mit seiner Gastfamilie

Ingo mit seinem Gastbruder