Vier auf einen Flug!

Erfahrungsbericht von Lena, Austauschjahr in den USA

Oder: Wie ich in nur einem Auslandsjahr sogar vier Kulturen kennenlernen konnte.

Als ich erfuhr, dass ich mit drei anderen Gastschülern neun Meilen außerhalb der Stadt leben sollte, war ich zunächst ehrlich gesagt ein bisschen skeptisch. Die Kinder meiner amerikanischen Gasteltern waren älter und aus dem Haus, weswegen sie neben mir noch ein Mädchen aus Thailand aufnahmen. Ihre Tochter, die bereits 32 war und nebenan lebte, beschloss zwei Jungen aufzunehmen – Tomo aus Japan und Magnus aus Norwegen. Ich war begeistert von der Idee, mit so vielen jungen Leuten aus anderen Kulturen zusammen zu leben und doch war ich ein bisschen ängstlich – was, wenn mein eigentlich Traum – und Austauschland untergehen würde?

Ich wollte doch eigentlich in die USA um die Highschool mitzuerleben, Freundschaften zu schließen, mehr über die amerikanische Kultur lernen und um perfekt American English zu sprechen!?!


"Welcome Lena!"

Ungewiss, was denn nun passieren oder nicht passieren würde, bin ich also nach Illinois geflogen. Am Flughafen erwarteten mich schon meine Gasteltern, mit einem "Welcome Lena" Schild und strahlenden Gesichtern. Die amerikanische Schule hatte schon einige Tage vor meiner Ankunft begonnen, weswegen die Jungs - "meine Gastneffen", die ich aber immer Gastbrüder nenne, nicht mitten in der Nacht an den Flughafen kommen konnten.

Tomo konnte sich aber noch gut an seine eigene Ankunft vor einigen Tagen erinnern und hatte ein Kissen und Schokolade für mich mitgeschickt.

 

Aller guten Dinge sind vier

Ich fühlte mich also sofort willkommen und pudelwohl. Einige Tage später kam auch meine Schwester Phetcharat aus Thailand an und passte perfekt in die Gruppe. Wir halfen uns gegenseitig bei Verständigungsproblemen, weckten den Anderen, um noch schnell zum Schoolbus zu joggen wenn wir verschlafen hatten, freuten uns gemeinsam über Pakete von daheim und probierten Süßigkeiten aus aller Welt. Zusammen haben wir das erste Mal Thanksgiving gefeiert, uns hundertmal die Footballregeln erklären lassen und haben gemeinsam die endlosen Gänge in Walmart&Co erforscht.

Ich habe gelernt korrekt Sushi zu essen, mich auf Japanisch vorzustellen, meine Haare so zu flechten, dass ich eine thailändische Grundschule gehen dürfte und gemerkt, dass Milch ja wirklich hilft, wenn man wegen einer viel zu scharfen thailändischen Suppe weinend durch die Küche springt.

Von Amerika habe ich trotzdem viel mitbekommen und gelernt – wir hatten alle unterschiedliche Freundeskreise und Hobbies und lernten jede Menge Amerikaner kennen. Und auch zu Hause stand die amerikanische Kultur natürlich immer im Vordergrund. Meine Gasteltern haben mit einer Engelsgeduld alles in Zeichensprache erklärt, Vokabelzettel auf Gegenstände geklebt, uns die schönsten Orte der USA gezeigt und vor allem haben sie uns alle mit einem riesigen Herz aufgenommen.

 

Eine zweite Heimat

Auch wenn meine Gastfamilie überhaupt nicht so war, wie ich sie mir vorgestellt hatte und bestimmt auch nicht die typische Familie verkörpert, habe ich unendlich viel gelernt und einfach das beste Jahr meines Lebens gehabt. Dieses Jahr hat meinen Horizont erweitert wie kein anderes – und an Reisezielen mangelt es mir in nächster Zeit verständlicherweise nicht. Aber bevor es nach Bangkok oder Tokio geht, will ich zunächst zurück in meine zweite Heimat, die Vereinigten Staaten.

 

Lena als Highschool-Absolventin

Lena bei einem Football-Spiel

Lena mit Freunden in den USA