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Häuserfront in Italien

Dolce Vita mal anders

Erfahrungsbericht von Annika, Austausch in Italien

Was haben die Angabe von Eis in Kilogrammpreisen, Hupkonzerte, Versicherungen, die den Todesfall während eines Fußballspiels abdecken, und eine gelassene Spontaneität, die so Manchem einfach planlos erscheinen würde, miteinander zu tun? Es sind alles Gründe, weshalb ich mich nach meinem Italienaustausch dazu entschlossen habe, mich bei YFU zu engagieren.

 

Die Begeisterung für die italienische Sprache wurde bei mir durch meinen Lateinunterricht geweckt, die für das Land und seine Menschen bei einem Urlaub am Gardasee. Daher habe ich mich für die YEP! - Sommerwochen (ein Kurzaustauschprogramm für Mitarbeiterkinder der Deutschen Post, durchgeführt von YFU)  beworben. Nach erfolgreichem Auswahlverfahren ging es dann 2011 bei frischen 15 Grad Julitemperatur in Deutschland auf nach Bella Italia.

 

Kurzaustausch in Bella Italia

Den Namen trägt das Land zu Recht! Viele kennen es als vielbereistes Urlaubsland mit offenen, unglaublich herzlichen Menschen, gutem Wetter, guter Küche und (für alle Frauen unter uns) tollen Schuhen! Doch wie lebt es sich im Land der Lamborghinis, deren Höchstgeschwindigkeit sich wegen der Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen nie legal erreichen lässt, abseits der Touristenzentren? Ich habe in einer Stadt gelebt, die zwar nur 20 Minuten von Rom entfernt liegt, in die sich jedoch kaum ein Ausländer verirrte. Meine Gastmutter Anna und mein Gastbruder Matteo sowie alle Anderen waren dementsprechend neugierig und gespannt darauf, eine Deutsche bei sich zu haben.

 

Schon nach zwei Tagen war ich so Vielen vorgestellt worden, dass es mir schwer fiel, alle Namen zu behalten. Alle haben mich mit einer unbeschreiblichen Freundlichkeit und Herzlichkeit aufgenommen. Sie gaben mir das Gefühl schon ewig miteinander befreundet zu sein und waren immer begeistert, wenn ich versucht habe Italienisch zu sprechen. Meine Zeit verbrachte ich mit Freunden am Strand, in Rom oder auch einfach durch die Stadt schlendernd und Eis essend, das, nebenbei bemerkt, wirklich das beste der Welt ist! Die Zeit verging wie im Flug und viel zu schnell waren die vier YEP!-Wochen vorbei.

 

Vier Wochen waren nicht genug

Meine Gastfamilie und ich verstanden uns super und da wir uns fest ins Herz geschlossen hatten boten mir Anna und Matteo an, für ein weiteres halbes Jahr bei ihnen einzuziehen. Meine Freude  darüber lässt sich nur schwer beschreiben und ich bin unglaublich dankbar, dass sie mir diese Möglichkeit gegeben haben! Von Italien aus haben meine Eltern und ich dann innerhalb von zwei Wochen alles mit meiner Schule in Deutschland und der in Italien geregelt. Nach einem kurzen Aufenthalt von einer Woche in Deutschland, um den Rest zu organisieren und Freunde zu verabschieden, ging's mit dem Flugzeug wieder zurück ans Mittelmeer. Und da begann nun mein eigentliches Abenteuer: noch mehr supernette Leute kennenlernen, dort zur Schule gehen, Italienisch lernen, und sich nicht mehr als Touristin fühlen sondern Einheimische werden. Heute kann ich sagen „so' davvero de Roma" und jeder Italiener wird hören, wo ich mein Italienisch gelernt habe.

 

Ich könnte ewig weiterschreiben über all die Erfahrungen und Eindrücke, die ich gesammelt habe, über all die Momente mit meinen italienischen Freunden, über das dort herrschende Verkehrschaos und die Unpünktlichkeit, die dieses Land doch irgendwie liebenswürdig machen. Wieder viel zu schnell wurde Herbst und dann Winter. Kurz vor meiner Abreise im Februar fing es dann für einige Tage an zu schneien und jeder dort, der nicht mit dem Auto zur Arbeit musste, wurde wieder zum Kind, dem es egal war, dass verkehrstechnisch nichts mehr lief.

 

A presto Italia! – Hallo YFU!

Der Abschied von meiner zweiten Heimat viel mir unglaublich schwer und ich habe allen versprochen, so bald wie möglich wieder zu kommen. Und tatsächlich es hat sich ausgezahlt eine Münze rückwärts über die linke Schulter in den Trevibrunnen zu werfen: Der Flug in den Sommerferien ist schon gebucht.

 

Mein Austausch hat mich so begeistert und mir so viele neue Sichtweisen gezeigt, dass ich Anderen diese Erfahrungen zugänglich machen, ihnen von meinem Austausch berichten und bei der Vorbereitung auf ihr eigenes Abenteuer sowie dessen Nachbereitung helfen möchte. Noch in Italien bin ich YFU-Mitglied geworden und nach meiner Rückkehr vor eineinhalb Monaten habe ich nach Möglichkeiten gefragt, mich zu engagieren. Ich freue mich sehr, schon bald mithelfen zu können!

Annika mit vielen internationalen Austauschschülerin in Italien

Annika mit ihren italienischen Freundinnin