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Austauschschülerin mit ihrer italienischen Gastfamilie

Großfamilie mit Musik

Erfahrungsbericht von Carolin, Austauschjahr in Italien

Als ich im September in mein Austauschjahr in Italien aufbrach, war ich vor allem nervös. Ich hatte noch keine feste Gastfamilie und um ehrlich zu sein auch etwas Angst, die italienische Sprache nicht zu Genüge gelernt zu haben. Das erste Problem hat sich zum Glück gleich im Empfangslager gelöst. Mir wurde eine sechsköpfige Familie im Norden von Italien zugewiesen und ich war unfassbar erleichtert und nun auch aufgeregt. Bei meiner Gastfamilie angekommen musste ich erstmal feststellen, dass weit und breit nichts war. Ich war in einem winzigen Ort namens Agrate Conturbia angekommen, weit weg von einer größeren Stadt. Doch das trübte meine Laune nicht, denn ich hatte mich schließlich auch erstmal mit meiner Familie bekanntzumachen. Diese bestand aus Vater, Mutter, drei Brüdern und einer Schwester im Alter zwischen 10 und 20 Jahren. Meine Gastfamilie war sehr musikalisch, sie spielten unter anderem Klavier, Gitarre, Cello, Harfe und Geige. Dementsprechend war es im Haus natürlich nie still!


 
Aufgrund der Musikalität meiner Gastfamilie bin ich auch zusammen mit zwei meiner Geschwister auf ein Musikgymnasium gegangen. Dazu sollte erstmal gesagt werden, dass das Schulsystem in Italien sich sehr von dem in Deutschland unterscheidet. Fast jedes Gymnasium hat eine Fachrichtung, und in meiner war das eben Musik. Auf dem Musikgymnasium werden dabei neben Grundfächern wie Englisch, Mathe und Italienisch auch Musik- und Kunstgeschichte, Musiktechnologie, Harmonielehre und jeweils eine Privatstunde in zwei ausgewählten Fächern unterrichtet. Ich hatte Gesang und Gitarre. Obwohl es das Jahr über für mich doch relativ schwierig war, dem Unterricht zu folgen, und ich mich anstrengen musste, war es natürlich eine tolle Erfahrung und ich habe sogar sehr viel Schönes und Nützliches gelernt. Außerdem ist mein Italienisch durch die Schule natürlich auch deutlich besser geworden.


 
In meiner Freizeit habe ich zusammen mit meinen Gastgeschwistern einen Theaterkurs besucht. Außerdem war es immer sehr schön, mit meiner Gastfamilie auf Konzerte und Ausstellungen zu gehen. In der restlichen Zeit war ich aber viel zu Hause, denn wir lebten ja auf dem Land und es war schwer, sich mit seinen Freunden zu treffen. Ab und zu haben meine Gastschwester und ich es aber doch geschafft, mit Freunden auszugehen. Da meine Gastschwester und ich in dieselbe Klasse gingen und uns sogar ein Zimmer teilten, waren wir oft zusammen und hatten auch viele gemeinsame Freunde.  Abgesehen von den Ausflügen mit ihr habe ich aber auch ab und zu etwas mit anderen Austauschschülern unternommen. Ein paar Mal ging es zum Beispiel nach Mailand, was wirklich wunderschön war!

 

Ein großes Thema ist hier in Italien natürlich das Essen. Über Essen wird oft und gerne geredet und auch beim Essen hat jeder etwas zu sagen. Essen ist hier das, was die verschiedensten Leute verbindet. Ich selbst habe ein paar Mal für meine Familie backen dürfen, worüber sie sich sehr gefreut haben. Auch Weihnachten und Ostern waren sehr interessante Erfahrungen, da auch dort unfassbar viel gegessen wurde. Der Großteil wurde bei uns von der Großmutter mitgebracht und wir haben jeweils knapp zwei bis drei Stunden am Tisch gesessen. 


 
Die Familie spielt in Italien im täglichen Leben eine große Rolle. Der Hauptteil des Tages wird zusammen verbracht. Wir zum Beispiel saßen immer in der Küche. Man macht auch nicht immer etwas zusammen, meistens macht jeder sein eigenes Ding. Es wird gelesen, gelernt, gearbeitet und natürlich gekocht. Dabei geht es vielmehr um das Zusammensein. Am Anfang war das für mich etwas gewöhnungsbedürftig, da man vor allem während des Essens sehr viel von sich erzählt und es generell in der Familie keine Geheimnisse gibt. Ich habe das jedoch sehr wertzuschätzen gelernt, da es dadurch in der Familie sehr herzlich zugeht. 


 
Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich dieses Austauschjahr gemacht habe. Natürlich gab es auch Höhen und Tiefen und die ein oder andere Heimwehträne ist definitiv geflossen, aber das gehört nun mal dazu. Heute kann ich sagen, dass ich daran gewachsen bin. Ich bin viel selbstständiger und auch selbstbewusster geworden. Ich habe ein anderes Land und eine andere Sprache, aber vor allem mich selbst besser kennengelernt. Nun heißt es Abschied nehmen, aber das wird hoffentlich nicht endgültig sein.

Carolin beim Gitarrespielen

Carolin mit ihrer Gastschwester

Mit Freundinnen beim Essen

Carolin auf einem Schulausflug